Waldwirtschafdt und Handwerk

Parlamentarischer Abend 19.09.2018 anlässlich 15. Jahre Landesbeirat


Foto: Gerlinde Wolf

von rechts nach links:
- Präsident des Landtags: HERING
- Staatsmin. MUEEF: HÖFKEN
- Vors. LBR: LOSKANT
- Fachreferent: THOMA
- stv. Vors. LBR: BOTT

 

Mit Holz hoch hinaus
 
Der Landesbeirat Holz Rheinland- Pfalz begeht sein 15- jähriges Jubiläum
 
War es ein Zufall, dass der Landesbeirat Holz Rheinland-Pfalz zum
parlamentarischen Abend eingeladen hatte, und die Abgeordneten gerade an diesem
Tag über die Wohnraummisere im Land diskutierten? Die Debatte konnte aus dem
Plenum heraus im Nachbarsaal des Landesmuseums ihre unmittelbare Fortsetzung
erfahren.


 
Der Präsident des Landtags, Herr Hendrik Hering, eröffnete die Veranstaltung mit
einem Lob auf die Anstrengungen, die den Holzbau in den letzten Jahren nach vorne
gebracht haben. Viele Wohngebäude werden inzwischen in Holz gebaut, auffälliger
sind jedoch die großen Ingenieurbauten wie Kindergärten, Schulen und
Gemeindehäuser. Der in diesem Jahr zum wiederholten Mal ausgelobte
Holzbaupreis zeige mit vier Preisen und vier Anerkennungen das hohe Niveau der
Holzbauarchitektur im Land. Die Siegerobjekte waren Teil einer parallel gezeigten
Ausstellung. Die Abgeordneten konnten sich selbst ein Bild verschaffen, wie es in
ihrem Wahlkreis mit den Fortschritten im Holzbau bestellt ist. Hering gratulierte dem
Landesbeirat zu seinem 15- jährigen Bestehen und lobte das im Ehrenamt
ausgeübte Engagement des Vorstands.
 
Der Vorsitzende des Vereins, Dr. Gerd Loskant, griff die wohl klingenden Worte des
Präsidenten auf und stellte die Leistungen der rheinland- pfälzischen Architekten und
Holzbauunternehmen heraus. Immerhin waren 58 Beiträge aus der Auslobung des
Wettbewerbs hervorgegangen, die Objekte waren aus allen Teilen des Landes
eingereicht worden.
Politisch günstige Bedingungen fokussiert die Branche auf sich. Sie hält Arbeits- und
Ausbildungsplätze im ländlichen Raum bereit und stemmt sich erfolgreich gegen die
Tendenz der Bevölkerung zur Abwanderung in die Städte. Hierin sieht Loskant den
Königsweg zur Lösung der zuvor im Plenum debattierten Wohnraummisere. Der
Rohstoff Holz wächst in unseren heimischen Wäldern, Be- und Verarbeitung finden in
der Nähe statt, gewährleisten kurze Transportwege und kostengünstiges Bauen vor
Ort. 
Mehr Mut wünscht sich Loskant vom Gesetzgeber und den Genehmigungsbehörden.
Weltweit offenbaren Hochhäuser in Holz die Vorteile, die in dem natürlichen
Wunderbaustoff liegen. Achtstöckige Gebäude sind in Ländern wie Baden-
Württemberg und Hamburg die Normalität, in dem relativ waldreichsten Land
Rheinland- Pfalz endet der Holzbau bei fünf Stockwerken. Investitionen in Forschung
und Ausbildung sind unentbehrliche Voraussetzungen zur Weiterentwicklung der
zukunftsträchtigen Branche.
 
Staatsministerin Ulrike Höfken, im Umwelt- und Forstministerium beheimatet,
erlaubte sich zunächst einen Exkurs in die von Monate langer Trockenheit und vom
Borkenkäfer geplagten Wälder. Dem Schutz des Klimas muss weit größere
Beachtung als bisher geschenkt werden. Die Wälder leiden unter den Extremen und
benötigen größere Fürsorge.
Einen Lösungsansatz bietet die Schaffung von Mischwäldern, wobei gerade die
Holzindustrie vom Nadelholzprogramm im Staatswald profitieren soll. Während es
dem Wald schlecht geht, wissen wir, dass er einen ganz wesentlichen Beitrag zur
Kohlenstoffsenke leistet. Der Verbrauch des Kohlendioxids zum Wachstum und Aufbau des Holzes erfolgt auf einfachste Weise mit dem natürlichen Energiespender
Sonne, durch langjährige Nutzung wird das Kohlendioxid im Holz gespeichert.
Wenn Beton und Stahl durch Holz ersetzt werden, findet die größte Einsparung an
die Atmosphäre schädigenden Substanzen statt. Holz leistet somit einen immensen
Beitrag zur Kohlenstoffsenke, den Fachleute in der Größenordnung von 14 % sehen.
In den Augen der Ministerin stellen vorhandene Gebäude ein riesiges Potential zur
Wohnraumbeschaffung dar. Vornehmlich in den Städten können Gebäude um ein
oder gar zwei Stockwerke erweitert werden, geringes Gewicht und statische
Eigenschaften sprechen eindeutig für den Baustoff Holz. Investitionen in Bauland,
Grundsteuer und Erschließung sind entbehrlich, Flächenversiegelung findet nicht
statt.
Hier muss ein Schwerpunkt aktueller Wohnungspolitik gesetzt werden, so Ministerin
Höfken.
 
Mit  einem  packenden  Vortrag  begeisterte  der  österreichische  Holzbau-Experte  Dr.
Erwin  Thoma  die  zahlreich  anwesenden  Abgeordneten  und  Gäste.  Egal,  ob  der
gelernte  Förster  und  Holzhausbauer  von  der  geheimen  Sprache  der  Bäume,
Brandschutz- und Dämmwerteigenschaften des Holzes, seinen weltweiten Aktivitäten
oder  von  den  Lebensweisheiten  seines  Großvaters  berichtete,  im  Saal  herrschte
größte Aufmerksamkeit. Er brandmarkte den Raubbau der Industrie an den fossilen
Ressourcen  und  den  mangelnden Wertstoffkreislauf.  Thoma`s  Geschichten  zeigten
auf  eindrucksvolle  Weise,  dass  ein  Leben  im  Einklang  mit  der  Natur  auch  heute
möglich  ist,  und  dass  der  uralte  Baustoff  Holz  in  der  Lage  ist,  sämtliche  aktuellen
Anforderungen  an  energiesparendes  Bauen zu  erfüllen  -  zusätzlich  auch  in  Punkto
Architektur,  Statik,  Wohngesundheit  und  Wohlfühlen  all  seine  Stärken  ausspielen
kann.
 
Bleibt zu hoffen, dass der von der Bundeskanzlerin für Freitag anberaumte Wohngipfel
in  Berlin  nicht nur  Zahlen  und  Finanzierung  auf  der  Agenda  hat, sondern  auch  die
Wohngesundheit,    die    Energie,    die    Rohstoffknappheit    und    schließlich    die
Wiederverwertbarkeit des Materials: Altholz ist heutzutage ein begehrtes Baumaterial.

Dr. Gerd Loskant, 1. Vorsitzender
    
 Referent Herr Dr. Erwin Thoma                                                          Ministerin Frau Ulrike Höfken
 Thema: Von der geheimen Spache der Bäume zum
 modernen Haus-, Objekt-, Büro- und Hotelbau

 Fotos: Gerlinde Wolf

 

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